Erst die Situation prüfen, dann den Haken lösen
Einen gut sichtbaren, leicht zugänglichen Haken löst du mit geeignetem Werkzeug entlang seines Einstichwegs. Ruckartiges Ziehen an der Schnur und blindes Arbeiten im Fischmaul sind keine Lösung. Entscheidend ist zuerst, ob der Fisch rechtmäßig entnommen wird oder nach den geltenden Regeln zurückgesetzt werden muss beziehungsweise darf.
Bei einem zulässig entnommenen Speisefisch geht die unverzügliche, sachkundige Versorgung vor. Entferne den Haken erst nach der tierschutzgerechten Betäubung und Tötung. Die folgenden Handgriffe am lebenden Fisch betreffen vor allem Fänge, bei denen ein rechtmäßiges Zurücksetzen vorgesehen ist.
Leg das passende Werkzeug vorher bereit

Für einen sichtbaren Haken im vorderen Maulbereich eignet sich eine zur Hakengröße passende Lösezange oder Arterienklemme. Ein schlanker Hakenlöser kann bei kleinen Haken sinnvoll sein; seine Benutzung muss dir aber am konkreten Werkzeug gezeigt worden sein. Ein unbekanntes Hilfsmittel probierst du nicht erstmals an einem lebenden Fisch aus.
Beim Angeln auf bezahnte Raubfische brauchst du ausreichend lange Werkzeuge und praktische Einweisung. Mit den Fingern im Maul zu suchen ist gefährlich. Bei Kunstködern kommen frei stehende weitere Haken dazu, die dich oder den Fisch verletzen können.

Zur Vorbereitung gehören außerdem ein passender Kescher, Messmittel und eine saubere, feuchte Unterlage. Für eine zulässige Entnahme müssen auch die vorgesehenen Hilfsmittel zur sachkundigen Versorgung bereitliegen. Die Packliste für einen Angeltag trennt diese Aufgaben.
Wird der Fisch entnommen oder zurückgesetzt?
Nach der sicheren Landung bestimmst du den Fisch und prüfst zügig die Fangregeln. Ist eine Messung nötig, hältst du sie kurz und schonend; den Ablauf erklärt Fische richtig messen. Art, Maße, Schonzeit, besondere Vorgaben und der Zustand des Fisches entscheiden zusammen, wie es weitergeht.
- Zulässige Entnahme zur Verwertung: Der sachkundig ausgeführte Ablauf zur Betäubung, Kontrolle ihrer Wirkung und zulässigen Tötung hat Vorrang. Entferne den Haken erst danach.
- Rechtmäßiges Zurücksetzen: Begrenze Luftkontakt und Handhabung. Löse den zugänglichen Haken möglichst wassernah oder im Wasser, wenn du den Fisch dabei sicher unterstützen kannst.
- Unklarer oder schwer verletzter Fang: Wende die für diesen Fall geltenden Vorgaben an und lass dir sofort von einer sachkundigen Person helfen. Unklarheit rechtfertigt weder beliebiges Töten noch beliebiges Zurücksetzen.
Die Regeln zum Zurücksetzen unterscheiden sich nach Bundesland, Fischart und Gewässer. Die biologischen Hinweise zum schonenden Umgang sind deshalb keine allgemeine rechtliche Erlaubnis. Kläre schwierige Fälle schon vor dem Angeltag mit dem Erlaubnisgeber.
Den Fisch unterstützen und den Hakensitz ansehen

Halte einen lebenden Fisch möglichst im Wasser und unterstütze sein Gewicht mit Netz beziehungsweise Körperauflage. Falls du ihn anfassen musst, feuchte die Hände an. Muss er kurz auf eine Unterlage, ist diese sauber und feucht. Drücke nicht auf Bauch, Augen oder Kiemen.
Schau zuerst, wo die Hakenspitze sitzt und wie der Haken eingedrungen ist. Eine günstige Situation ist ein einzelner, gut sichtbarer Haken im vorderen Maulbereich. Sitzt er außer Sicht, im Kiemenbereich oder tief im Schlund, ist das keine einfache Löseaufgabe mehr.
Ziehe nicht an der straffen Angelschnur, um den Fisch zu fixieren. Die Schnur soll nach der sicheren Unterstützung nicht weiter am Haken zerren. Bei einem Kunstköder müssen auch die übrigen Hakenspitzen im Blick bleiben; greife niemals um einen frei schwingenden Drilling.
Einen zugänglichen Haken kontrolliert entfernen

Siehst du den Hakensitz und erreichst du ihn mit dem geeigneten Werkzeug sicher? Nur für diesen Fall gelten die folgenden Schritte. Richte die Bewegung nach Hakenform und Einstichrichtung. Drehen auf Verdacht, bis etwas nachgibt, gehört nicht dazu.
- Fisch ruhig unterstützen: Arbeite niedrig und wassernah. Bei unkontrollierten Bewegungen halte die Situation zunächst sicher; erhöhe nicht den Druck auf den Körper.
- Haken sicher fassen: Setze die Zange am zugänglichen Haken an. Quetsche dabei kein Gewebe ein.
- Einstichweg nachvollziehen: Führe den Haken mit kleiner kontrollierter Bewegung auf dem Weg zurück, auf dem er eingedrungen ist. Ein Widerhaken kann das erschweren; ziehe nicht mit Gewalt dagegen.
- Haken aus dem Arbeitsbereich nehmen: Lege den gelösten Köder sicher ab. Der Fisch soll nicht erneut mit einer freien Hakenspitze in Berührung kommen.
Klappt das Lösen nicht zügig und ohne zusätzliche Verletzung, beendest du den Versuch. Du brauchst freie Sicht und sichere Handgriffe, keine weiteren Drehversuche nach Gefühl. Gerade beim ersten Fang hilft dir ein sachkundiger Begleiter dabei. Die Beschreibung ersetzt diese praktische Hilfe nicht.
Bei tief sitzendem Haken nicht weiter operieren

Ein tief geschluckter Haken ist kein Anlass, mit einer längeren Zange immer weiter vorzudringen. Solche Versuche können zusätzliche schwere Verletzungen verursachen. Für lebensfähige Fische, die rechtmäßig zurückgesetzt werden sollen, empfehlen Fachquellen bei nicht schonend lösbarem Tiefhaken häufig, die Schnur am Maul beziehungsweise an der nach geltender Vorschrift vorgesehenen Stelle zu durchtrennen und den Haken zu belassen. Versuche dafür nicht, mit dem Werkzeug tief zum Haken vorzudringen. Brandenburg schreibt beispielsweise in § 3 Absatz 1 BbgFischO für den dort geregelten Fall das Durchtrennen in Höhe der Kopfspitze vor.
Das ist keine Garantie für das Überleben und keine Anweisung, jeden verletzten Fisch zurückzusetzen. Der Zustand des Fisches und die konkreten Vorgaben bleiben entscheidend. Ein zulässig zur Verwertung entnommener Fisch wird sachkundig versorgt; am lebenden Tier wird keine langwierige Hakenoperation versucht.
Häufige Fragen zum Hakenlösen
Kann ich den Fisch mit einem trockenen Tuch besser festhalten?
Verwende es nicht zum Fixieren eines lebenden Fisches. Ein trockenes Tuch kann Schleimhaut und Schuppen beschädigen. Nutze feuchte Hände, eine geeignete feuchte Unterlage und eine sichere Unterstützung.
Soll ich den Haken einfach an der Schnur herausziehen?
Nein. Du siehst dabei weder die genaue Bewegungsrichtung noch kontrollierst du die Belastung des Gewebes. Ein sichtbarer Haken wird mit passendem Werkzeug gelöst.
Verrostet ein zurückgelassener Haken immer schnell?
Darauf darfst du dich nicht verlassen. Material, Hakensitz und Fischart unterscheiden sich. Das Kappen der Schnur bei nicht schonend lösbarem Tiefhaken soll zusätzliche Verletzungen vermeiden; es verspricht kein bestimmtes Ergebnis.
Sind widerhakenlose Haken sinnvoll?
Sie können das Lösen erleichtern und die Handhabung verkürzen. Ob sie vorgeschrieben sind oder welcher Haken zu deiner Methode passt, prüfst du an deinem Gewässer und Aufbau.
Quellen zum Weiterlesen
Fachquellen und Einordnung öffnen
- Schleswig-Holstein: amtlicher Fragenkatalog zur Fischerprüfung – Werkzeug und Reihenfolge der Versorgung.
- WWF: Fische angeln und wieder zurücksetzen – Schleimhautschutz, Tiefhaken und Hakenwahl; Rechtskapitel mit Bezug auf Mecklenburg-Vorpommern.
- Tierschutzgesetz, § 1 – Vermeidung unbegründeter Schmerzen, Leiden und Schäden.
- Bayern: § 11 AVBayFiG – Beispiel differenzierter Rücksetzregeln; gilt nicht bundesweit.
- Brandenburg: § 3 BbgFischO – konkrete Vorgabe zum Durchtrennen bei tief geschlucktem Haken; gilt für Brandenburg.
- Minnesota DNR: Catch and release (Englisch) – Werkzeuge, Körperunterstützung und nicht lösbare Haken.
- U.S. National Park Service: Successful Catch and Release Fishing (Englisch) – Hakenentfernung und Tiefhaken; amerikanische Rechtsregeln werden nicht übertragen.
- NOAA Fisheries: Catch and Release Fishing Best Practices (Englisch) – Handhabung und Kappen der Schnur bei nicht schonend lösbarem Tiefhaken.
- New York DEC: Fishing Basics (Englisch) – Einstichweg beim Lösen; andere gezeigte Griffe und Hälterungsmethoden werden nicht übernommen.
Quellenabgleich: 21.10.2026. Die Anleitung betrifft sichtbare, zugängliche Haken. Schwierige Hakensitze, artspezifische Griffe und Fangversorgung benötigen praktische Sachkunde.

