Fischarten

Schwimmblase verstehen: Auftrieb, Druck und Unterschiede

Viele Fische regeln mit der Schwimmblase ihre mittlere Dichte und damit den Auftrieb. Andere kommen ohne sie aus. So hängen Bauform, Wassertiefe und Druck zusammen – und deshalb kann schnelles Heraufholen Probleme verursachen.

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Schweben, ohne ständig nach oben zu schwimmen

Stell dir die Schwimmblase als gasgefüllten Raum im Körper vieler Knochenfische vor. Durch sie verändert sich das Verhältnis zwischen Körpermasse und verdrängtem Wasser. Der Fisch kann dadurch eine geringere mittlere Dichte erreichen und sich leichter in einer bestimmten Tiefe halten.

Ein Antrieb ist das Gas nicht: Bewegung und Lage steuert der Fisch weiter mit seinen Flossen. Auch wie ein nach Belieben gefüllter Wassertank funktioniert die Schwimmblase nicht. Die biologischen Abläufe ihrer Gasregulation brauchen Zeit.

Offene und geschlossene Bauformen

Bei einer offenen Schwimmblase bleibt ein Verbindungsgang zum Verdauungstrakt erhalten. Bei der geschlossenen Bauform fehlt diese dauerhafte Verbindung; Gas wird über spezialisierte Gewebe und das Blut aufgenommen beziehungsweise abgegeben. Auch manche Arten mit offener Schwimmblase können Gas über das Blut austauschen. Die Unterscheidung beschreibt vor allem die erhaltene oder fehlende Verbindung zum Verdauungstrakt; sie garantiert keinen folgenlosen Druckwechsel.

Bauform Grundprinzip Wichtige Grenze
Offen – physostom Verbindung zum Verdauungstrakt bleibt erhalten Druckänderungen sind deshalb nicht automatisch harmlos
Geschlossen – physoklist Gasregulation über Blut und spezialisierte Gewebe Regulation braucht Zeit
Ohne Schwimmblase Kein entsprechender Gasraum Lebensweisen können trotzdem sehr verschieden sein

Makrele und Grundel kommen ohne aus

Es gibt auch Fische ohne Schwimmblase, etwa die Atlantische Makrele und die Schwarzmundgrundel. Trotzdem leben sie sehr unterschiedlich: Die Makrele schwimmt aktiv im freien Wasser, die Grundel ist stärker an den Boden gebunden. Aus der fehlenden Schwimmblase allein kannst du also nicht die ganze Lebensweise ablesen.

Tiefe und Druck gehören zusammen

Mit zunehmender Wassertiefe steigt der Umgebungsdruck. Bei gleichem Gasinhalt wird die Blase dadurch kleiner; beim Aufsteigen und abnehmenden Druck kann sie sich ausdehnen. Damit er sich in einer neuen Tiefe wieder gut halten kann, muss der Fisch seine Gasmenge gegebenenfalls anpassen.

Geschieht der Wechsel sehr schnell, kann diese Anpassung nicht Schritt halten. Die Ausdehnung kann den Körper schwer belasten: Druckbedingte Verletzungen werden als Barotrauma bezeichnet. Aus dem äußeren Eindruck allein lassen sich ihre Schwere und die Überlebenschance nicht sicher ablesen.

Keine improvisierten Eingriffe

Stich die Schwimmblase nicht auf eigene Faust an und drücke einen aufgeblähten Fisch nicht zusammen. Plane vor dem Angeln in tieferen Bereichen Regeln, Fangziel und den geeigneten Umgang mit Beifang. Fachlich anerkannte Verfahren sind art- und situationsabhängig; dieser Überblick ersetzt ihre praktische Schulung nicht.

Auftrieb ist nicht die einzige mögliche Aufgabe

Bei manchen Arten ist die Schwimmblase zusätzlich an Lauterzeugung oder Schallwahrnehmung beteiligt. Solche Zusatzfunktionen sind artspezifisch. Ebenso wenig lässt sie sich pauschal mit einer gewöhnlichen Lunge gleichsetzen: Für die Atmung typischer heimischer Knochenfische bleiben die Kiemen zentral.

Dieser Überblick erklärt Körperbau und Druck. Er ist keine Anleitung zu operativen Eingriffen und keine pauschale Empfehlung zum Zurücksetzen. Rechtliche Vorgaben und ein fachgerechter Umgang müssen zum jeweiligen Gewässer und Fisch passen.

Häufige Fragen

Hat jeder Fisch eine Schwimmblase?

Nein. Beispielsweise die Atlantische Makrele und die Schwarzmundgrundel besitzen keine.

Ist die Schwimmblase eine Lunge?

Ihre Hauptfunktion ist häufig der Auftrieb. Bau und Zusatzfunktionen unterscheiden sich; die Gleichsetzung mit einer gewöhnlichen Lunge wäre zu einfach.

Weiterlernen

Fischarten erkennen und unterscheiden (Entwurfsvorschau) · Schonzeiten und Mindestmaße richtig nachschlagen (Entwurfsvorschau) · Fischschonend angeln

Quellen zum Weiterlesen

Fachquellen öffnen
  1. Bayerische Fischerjugend: Allgemeine Fischkunde
  2. Thünen-Institut: Atlantische Makrele
  3. Naturschutzinformationen NRW: Schwarzmundgrundel ohne Schwimmblase
  4. University of Hawaiʻi: Auftrieb, Gasregulation und Druck (Englisch)
  5. Western Australia: Schwimmblase und Zusatzfunktionen (Englisch)
  6. NOAA Fisheries: Barotrauma; US-Kontext (Englisch)
  7. Marine Biological Association/MarLIN: Makrele (Englisch)
  8. Pelster 2021: Schwimmblase, Gasregulation und Grenzen bei Druckwechseln (Englisch)
  9. Smith und Croll 2011: offene und geschlossene Schwimmblasen, Fachübersicht (Englisch)
  10. California State University Northridge: Auftrieb und Gasregulation, Lehrunterlagen (Englisch)
  11. Korneliussen 2010: akustische Untersuchung der Makrele ohne Schwimmblase, Originalstudie (Englisch)
  12. Finnisches Biodiversitätszentrum: Schwarzmundgrundel ohne Schwimmblase (Englisch)
  13. Egger et al. 2021: Vergleich von Schwarzmundgrundel, Groppe und Gründling, Originalstudie (Englisch)

Quellenprüfung: 22. Oktober 2026. Ausländische Fachquellen dienen der Biologie; örtliche Fischereiregeln werden nicht auf Deutschland übertragen. Bewertungsjahre stehen im jeweiligen Abschnitt.